Das iPad als interaktives Whiteboard im Unterricht

Kann das iPad in Verbindung mit einem Beamer oder einem Großbildschirm als interaktives Whiteboard dienen? Wir haben die kostenlose Software doceri getestet. Diese Software erlaubt es, ähnlich wie bei interaktiven Whiteboards (z.B. SMART, Promethean, Hitachi usw) mit einem Stift auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm zu schreiben und zu zeichnen.

Für die drahtlose Übetragung des Bildes vom iPad zum Beamer / Großmonitor werden folgende Geräte benötigt:

  • iPad ab Version 2 (ab ca. 380 Euro) wir empfehlen iPad 3 wegen der besseren Kamera (ab 500 Euro)
  • Beamer oder Großmonitor mit HDMI-Anschluss
  • Apple TV Box (ca. 100 Euro)
  • Wlan muss im Raum verfügbar sein
  • die App doceri (kostenlos im Appstore)
  • kapazitiver Stift (Stylus) am besten mit Zusatzfunktionen Originalstift für die Software

Es können typische Tafelhintergründe verwendet werden, verschiedene Stifte, Linien und Formen, jeweils mit auswählbaren Farben, Linienarten, Radiergummie usw.

Mit der eingebauten Kamera kann man direkt Fotos in seine Tafelbilder einfügen. Tafelaufschriebe werden gespeichert und wie eine Art Video gespeichert, in einer Zeitleiste lässt sich die Entwicklung des Aufschriebes punktgenau zurückverfolgen und wie in einem Film an jede beliebige Stelle spulen. Die Tafelaufschriebe können auch wie Videotutorials gespeichert werden und z.B. an Schüler als Video oder als PDF verschickt werden.

Vorteile gegenüber einem echten, großen whiteboard:

  • Die Kalibrierung des boards fällt weg.
  • der Lehrer kann immer in Blickrichtung zu den  Schülern arbeiten und muss ihnen beim Schreiben nicht den Rücken zuwenden.
  • keine Schattenwurf, man kann an einer beliebigen Stelle im Raum stehen
  • es muss nicht der Schüler zum Board kommen, das Board (iPad) kann dem Schüler gegeben werden, um z.B. seinen Hefteintrag / Tafelanschrieb am Beamer zu zeigen.
  • viel geringere Kosten
  • kein langwieriges Hochfahren eines Computers notwendig
  • keine umständliche Verkabelung nötig
  • gemeinsam mit der Desktop-Version von Doceri können sämtliche Inhalte eines normalen Computers am iPad dargestellt und gesteuert werden (kostenpflichtige Version)

Nachteile gegenüber einem echten, großen Whiteboard

  • weniger Schreibfläche pro Seite als bei einem großen board, es können aber beliebig viele Seiten erstellt werden.
  • kein direkter Zugriff vom iPad auf das Schulnetz, nur über die kostenpflichtige Desktop Version

Fazit:

Wir finden die Möglichkeit faszinierend, einen großen Teil der Funktionen und Möglichkeiten eines interaktiven Whiteboards auf so günstige und einfache Weise realisieren zu können. Besonders gefallen hat uns, dass man mit dem iPad und dem Stift in der Hand den Schülern immer zugewandt sein kann. Die Möglichkeiten sind für die meisten Tafelanschriebe völlig ausreichend, das System ist sehr schnell im Unterricht einsetzbar, ein langwieriges Hochfahren des PCs, Benutzeranmeldung, ggf. Kalibrierung usw. fällt weg, das spart viel Zeit und Nerven im Untericht.

Herzlichen Dank an Herrn Jürgen Dorsch für den Beitrag!
Herr Dorsch stellt auf der Website  www.schule-apps.de eine Online-Datenbank mit Bildungsapps bereit.

5 comments

  1. Rolf sagt:

    Das mit doceri klappt insgesamt gut. Ich arbeite zur Zeit auch gerne mit der App. UPAD. Sie hat ein Vergrößerungsfunktion der Schrift. So kann mit einem guten iPad-Stift deutlich filigraner und professioneller ein „schönerer“ und auch dichterer Tafelanschrieb erzeugt werden.

  2. Jürgen sagt:

    @Walter
    Klar bekommt man nicht ganz so viel drauf wie auf ein Smartboard, aber viel weniger ist es auch nicht. Beim Hersteller von Doceri habe ich schon darauf hingewiesen, dass es gut wäre, wenn man die Seiten nach unten vergrößern könnte, wenn man sie vollgeschrieben hat, um dann scrollen zu können und nicht immer eine neue Seite öffnen zu müssen. Das ist bekanntlich ein Problem, wenn nicht alle Schüler gleich schnell abschreiben.
    Ich verwende mein Board nicht mehr, seit ich Doceri entdeckt habe, sondern nur noch das iPad. Es kommt eben auch auf die Gewohnheiten an, wie umfangreich man seine Tafelanschriebe gestaltet.
    Allein die Tatsache, dass ich mit der Kamera des iPad Fotos von Zeichnungen oder ausgedruckten Seiten uvm. direkt in die Whiteboardsoftware doceri einfügen kann, finde ich einen Mehrwert gegenüber einen richtigen Whiteboard, ganz zu schweigen vom langsamen Hochfahren des Computers, den man fürs Whiteboard braucht, die Kalibrierung, Schattenwurf usw.
    Aber es kommt halt auf die persönlichen Vorlieben an, und auf die finanziellen Ressourcen.
    Selbst wenn man so rechnet, dass für das iPad noch ein Beamer/Großmonitor und ein Apple TV angeschafft werden muss, bin ich bei der iPad-Lösung bei deutlich unter 2000 Euro, die Whiteboardlösung dürfte das Doppelte kosten.

    Man kann übrigens auch aus jedem älteren Beamer, andem ein PC hängt, ein günstiges Whiteboard machen, auch ohne HDMI-Anschluss und Apple TV. In diesem Fall streamt man vom iPad über die Doceri Desktop-Software an den PC, der am Beamer hängt. So könnte man viele alte Räume günstig „aufrüsten“.

    • Walter Janka sagt:

      Super Zusatznutzen! Den Schülern mit Doceri bereits Arbeitsaufträge oder Informationen an die Hand zu geben, während der „langsame Windowslaptop“ hochfährt; genial. Das werde ich in Zukunft auch nutzen. Danke, man lernt eben nie aus und es gibt immer wieder Neues zu entdecken.

  3. Walter Janka sagt:

    Zunächst stimme ich vollkommen zu, eine gelunge App, zumal sie kostenlos ist und eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet. Sie allerdings als Ersatz für ein Tafel oder gar IWB z.B. SMART Board zu bezeichnen halte ich dann doch für etwas übertrieben. Alleine schon die begrenzte Fläche am iPad erlaubt es nur Ausschnitte eines Tafelbildes aufzuzeichnen. Die Aufzeichnung mit integrierten Stoppmarken dagegen ist genial und ermöglicht sicherlich ganz neue Unterrichtssequenzen. Aus meiner Sicht ähnlich gut – da in den Grundzügen identisch mit der SMART-Board Software Notebook (wenngleich abgespeckt und mit 5 Euro recht teuer) ist die SMART Notebook App. Die erstellten Tafelbilder können mit der Notebook-Software weiterverarbeitet werden und umgekehrt. Für mich derzeit die wertvollste App – Erfahrungsbericht folgt demnächst im Projektblog.

  4. Dirk Küpper sagt:

    Ich möchte das iPad seit 2 Jahren als Tafelersatz nicht mehr missen! Kein Schüler hat je wieder zu mir gesagt: Haben wir nicht gemacht. Zack ist das Tafelbild aufgerufen. Eltern kann ich ganz genau sagen oder eMailen was wir am Tag gemacht haben. Abspeichern kann ich ganz simpel in einer Webdav Freigabe im Schulnetzwerk.

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